Kalt macht glücklich

Kalt macht glücklich

Kalt macht glücklich? Kaltes Wasser? Freiwillig im Winter nur noch kalt duschen? Wieder mal eine neue Challenge? Ja. Wie ich dazu kam? Es war Februar und ich wurde durch einen Artikel in einer Zeitschrift inspiriert. Im Februar ist es bei uns hier ja eher Winter, also schon eher frisch. Und wenn es draussen kalt und grau ist, hat man ja nun eigentlich nicht wirklich Lust auf kaltes Wasser auf nackter Haut am frühen Morgen. Oder doch?

Aber hier die Geschichte von Anfang an: Ich habe also in einer Zeitschrift von Herrn Wim Hof gelesen. Dieser ist mittlerweile wohl recht berühmt. Das man sich durch Kälte, bzw. einen regelmäßigen Kältereiz abhärten kann, war mir schon irgendwie klar. Aber so richtig selbst probiert hatte ich es noch nicht. Ich erinnerte mich aber an eine Zeit, in der wir oft Gerätetauchen waren. Dadurch, dass man sich ständig und bei jedem Wetter draussen am Wasser und vor allem im Wasser – vorzugsweise im See – aufhält, härtet der Körper tatsächlich ab. Man fühlt sich fit und wird plötzlich gar nicht mehr krank.

Kalt, kälter, Herr Iceman

Also fing ich mal wieder an zu lesen und zu recherchieren. Da ich kein Buch von ihm hier habe, zitiere ich heute mal aus Wikipedia: auf Wikipedia kann man nachlesen, Herr Wim Hof

auch bekannt als The Iceman, ist ein niederländischer Extremsportler, der 26 internationale Rekorde im Ertragen extremer Kälte hält, darunter den Rekord für das längste Eisbad. Diesen brach er mehrmals selbst, zuletzt im Jahr 2011, als er eine Stunde, 52 Minuten und 42 Sekunden bis zum Hals in Eiswasser stand. Seine Erfolge führt er auf die von ihm selbst entwickelte Wim-Hof-Methode zurück, die im Kern aus einer speziellen Atemtechnik besteht und sich positiv auf die Gesundheit auswirken soll.

Wim Hof gibt Kurse zum Umgang mit Eis und Kälte. Er erklärt den Seminarteilnehmern, wie sie sich an die Kälte gewöhnen können. Auch lehrt er seine eigens von ihm erfundene Atemtechnik und erklärt wohl auch, was Kälte im Körper bewirkt. Die Redakteurin des Artikels hatte einen Kurs bei ihm gebucht. Die Teilnehmer lernen einen Tag lang, wie gesund ein Kältereiz ist, wie sie richtig atmen und sitzen am Ende jeder für ein Foto in einer Eis-Badewanne.

Weitere Kalt-macht-glücklich-Vorbilder

Während ich später so im Netz unterwegs war, fiel mir ein, dass es ja durchaus weitere Vorbilder in meinem Leben gab, die sich täglich der Kälte aussetzen. Von Dr. med John Switzer weiß ich, dass er täglich im See schwimmen geht. Das hat mich schon immer sehr beeindruckt.

Wir sind beruflich bedingt oft am Bodensee. Und auch am Bodensee kann man jeden Morgen, und wirklich bei jedem Wetter, Menschen sehen, die mit einem Handtuch an den See gehen. Irgendetwas scheint also doch daran zu sein.

Ich wollte das auch mal probieren. Also los: „Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt“ hat schon Laotse gesagt. Ich habe gleich am nächsten Morgen angefangen. Wasser unter der Dusche auf Kalt. Nicht nur ein bischen, sondern auf ganz kalt. So kalt wie eben geht. In Frankfurt am Main sind das bei uns immer etwa 9 Grad. Am Bodensee kommt das Wasser mit etwa 7 Grad Celsius aus der Leitung.

Mein Anfang mit dem kalten Wasser war gar nicht so leicht, um ehrlich zu sein. Ich habe etwa eine Woche gebraucht, um mich komplett von Kopf bis Fuß unter dem kalten Wasser wenigstens zwei, drei Minuten o.k. zu fühlen. Und ich habe zu Beginn wirklich nur bis zum Bauch geschafft. Nach einer zweiten Woche habe ich es dann sogar geschafft auch die Haare zu waschen. Und das Anfang März.

kaltes Wasser macht glücklich, entspannt und gesund – so zumindest meine Erfahrung

Wenn man erst mal angefangen hat, ist das wie eine Sucht. Man ist mega stolz und glücklich, wenn man aus dem Wasser kommt. Es wird zu einer Art Challenge. Zumindest wurde es das bei uns. Man bekommt so etwas wie den Ehrgeiz mindestens einmal am Tag kaltes Wasser zu fühlen. Eine super Routine, die man in den eigenen Tag einbauen kann. Und in einem See sein, ist immer viel besser, als unter der Dusche. Und effektiver, finden wir zumindest. Man ist danach voller Endorphin, so wie nach dem Sport. Positiv aufgeladen, glücklich, stolz und zufrieden.

Kaelte macht glücklich – am Bodensee

Ich habe mir dann mal den Timer gestellt. Ich habe für mich persönlich etwa fünf Minuten Kälte als optimalen Zeitraum herausgefunden.

Und was passiert nun eigentlich genau im Körper?

  • Der Kältereiz hilft unserem Immunsystem. Es stärkt die Abwehrkräfte und schützt uns so wirkungsvoll vor Viren, Bakterien und anderen krankmachenden Substanzen.
  • Das kalte Wasser trainiert uns eine geringere Anfälligkeit für Kälte an. Bereits Sebastian Anton Kneipp hat dazu geraten, sich öfters kühleren Temperaturen auszusetzen. Er empfahl Schneetreten, Wassertreten und kalte Güsse um den Körper wieder an die Eigenproduktion von Wärme zu erinnern, diese wieder zu trainieren.
  • Schmerzen verringern sich, Entzündungen werden gedämpft.
  • Das braune Fett entsteht wieder: Prof. Dr. Andreas Michalsen schreibt in seinem Buch* wie das braune Fett als weiteres Phänomen der Körperregulation entschlüsselt wurde. Die Zellen des braunen Fett enthalten viele Mitochondrien, Kraftwerke zur Energiegewinnung, die diese Zellen bräunlich färben und durch Oxidation Wärme erzeugen. Man hat festgestellt, das braunes Fett das Diabetes-Risiko reduziert und die Zuckerregulation besser funktioniert. Durch regelmäßigen Kältereiz wird das braune Fett wieder an den Organen angelagert. Es geht in unserer warmen Umgebung einfach verloren, da es nicht mehr gebraucht wird.
  • Kälte als Therapie kennt man schön länger. So wird Kälte oft im Profi-Sport für eine bessere Regeneration genutzt. Und es stimmt, ich habe auch gemerkt, dass ich mich nach meinem Sport besser fühle. Durch einen regelmäßigen Kältereiz werden die Blutgefäße trainiert und so die Durchblutung gefördert. Durch die anschließende Erwärmung (wie die heißen Hände nach einer Schneeballschlacht) können Abfallprodukte, wie z.B. Milchsäure, die beim Sport entstanden ist, besser abtransportiert werden. Also auch eine entgiftende Wirkung. Das regelmäßige Zusammenziehen und Entspannen der Gefässe ist wie Training für unsere Blutgefäße.
  • Kalt duschen macht richtig wach. Auch wenn es besonders zu Beginn Überwindung kostet – Blutdruck, Atemfrequenz und Puls werden erhöht. Man kann im Anschluss an eine kalte Dusche oder dem Bad im See sehr erfrischt, klar und konzentriert in den neuen Tag starten.
  • Kalorienverbrauch: Der Körper versucht natürlich in jedem Fall seine Temperatur bei 37 Grad zu halten. So hat der Körper einiges zu tun und der Stoffwechsel wird angeregt.
  • Kaltes Wasser aktiviert unser Nervensystem. Hormone wie Adrenalin (antientzündlich und gefäßverengend), Noradrenalin, Cortisol (entzündungshemmend und schmerzstillend) und Beta-Endorphin werden ausgeschüttet.
  • Täglich einmal im kalten Wasser untertauchen macht gute Laune. Es macht den Kopf frei, klärt den Geist, befreit von mentalem Ballast und hilft resilienter zu werden. Was kann einen noch umhauen, wenn man morgens schon fünf Minuten im 10 Grad kalten See war?

Kalt duschen: Wie fängt man an?

Am besten einfach in der eigenen Geschwindigkeit. Der Körper soll sich entspannt an den Kältereiz gewöhnen können. Und das geht ganz gut, wenn man erst einmal überhaupt anfängt damit. Zuerst vielleicht nur die Beine, ein Knieguss. Oder auch erst mal eine Woche lang mit einem Gesichtsguss. Später nimmt man auch die Arme dazu, und jeden Tag ein wenig mehr.

Vorher tief atmen, ist auch eine gute Option. Und damit während des Knie- oder Körpergusses auch nicht aufhören. Es flutet den Körper mit Sauerstoff und hilft dabei den Stoffwechsel anzukurbeln.

Mit dem Wasserstrahl sollte immer herzfern begonnen werden. Nach Kneipp benutzt man außerdem einen ¾ Zoll-Schlauch, aus dem ein laminarer Strahl austritt. Man kann dazu aber auch gut einfach den Duschkopf abschrauben. Laminar bedeutet hier, das der Wasserstrahl das Körperteil „umschliesst“. Und ja, ich finde schon, es ist ein Unterschied ob der Brausekopf drauf ist, oder nicht.

Lernt das Wasser richtig kennen, und es wird euch stets ein verlässlicher Freund sein.
Sebastian Kneipp, 1821-1897

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